Kann man mit AI wegmachen – aber bitte nicht der Fotografin sagen…

über Screenshots, gute Ratschläge und kleine Alltagsmomente, die uns Fotograf:innen gleichzeitig schmunzeln und seufzen lassen

Es gibt diese Momente, da sitzt man als Fotografin vor dem Bildschirm und denkt sich:
Ah. Spannend. Wirklich spannend.

Also so spannend, dass man kurz überlegt, ob man Popcorn holen soll.

Nicht wegen dem Wetter.
Nicht wegen dem Licht.
Nicht mal wegen dem Hund, der im genau falschen Moment beschlossen hat, dass jetzt Schnüffelzeit ist.
(Wobei… das ist auch so ein Klassiker.)

Sondern wegen dem, was danach passiert.

Kürzlich bin ich über einen Facebook-Post gestolpert.
Mehrere Bilder aus einer Online-Galerie. Mit Wasserzeichen. Öffentlich gepostet.

Dazu die Frage:
„Welche soll ich kaufen?“

Kurze Denkpause.

Ich habe tatsächlich kurz überlegt, ob ich irgendwo in meinem Workflow einen Schritt vergessen habe.
So etwas wie:

  1. Fotografieren
  2. Bearbeiten
  3. Kunde postet alles öffentlich
  4. Community entscheidet
  5. Vielleicht wird etwas gekauft

Hatte ich bisher irgendwie nicht auf dem Schirm.

Die Community war auch sofort zur Stelle:
„Nimm Bild 2 und 4.“
„Bei 1 stören die Autos.“
Und mein persönliches Highlight:
„Kann man mit AI wegmachen… aber sag’s der Fotografin lieber nicht. 🤣“

In solchen Momenten entwickelt man als Fotografin ganz besondere Fähigkeiten.
Zum Beispiel gleichzeitig zu lachen, den Kopf zu schütteln und innerlich ganz kurz die Existenzfrage zu stellen.

Multitasking kann ich jetzt übrigens.


„Ist doch nur knipsen“

Ich glaube, das ist der Moment, wo man merkt:
Für viele ist Fotografie einfach… knipsen.

So wie mit dem Handy.
Kurz draufhalten.
Zack. Fertig.
Filter drüber.
Noch ein Filter.
Passt.

Was man nicht sieht:
Die Stunden davor.
Die Auswahl danach.
Das Feintuning am Bild.
Das „hmm… oder doch minimal wärmer?“
Das „warum sieht das auf Bildschirm A anders aus als auf Bildschirm B?!“

Und ja – auch dieses kleine, völlig unwichtige Detail,
dass Kamera, Objektive, Laptop und Software nicht zufällig im Garten wachsen.
(Schade eigentlich. Würde einiges vereinfachen.)

Da steckt Zeit drin.
Herzblut.
Können – und ja, auch Geld.
Viel davon. Überraschend viel.


Ein kleiner Realitätscheck (mit leichtem Kontrollverlust)

Vielleicht hilft ein Vergleich.

Stell dir vor, du gehst zum Bäcker.

Du beisst dich einmal quer durch die Auslage,
nickst anerkennend,
drehst dich zu den anderen Kunden und fragst:
„Welches soll ich kaufen?“

Der Bäcker steht daneben.
Schaut dich an.
Ganz ruhig.
Innerlich vermutlich nicht ganz so ruhig.

Oder du bekommst ein unveröffentlichtes Buch,
stellst ein paar Seiten online und sagst:
„Was meint ihr – lohnt sich das?“

Ich wage die steile These:
Die Begeisterung wäre… überschaubar.
Sehr überschaubar.


Und trotzdem passiert es

Nicht, weil alle böse sind.
(Schön wär’s einfach, dann wäre es leichter einzuordnen.)

Sondern weil es sich irgendwie normal anfühlt.

Ist ja online.
Ist ja nur ein Bild.
Ist ja mit Wasserzeichen.
Ist ja… schnell gemacht.

Und irgendwo zwischen „nur kurz schauen“ und „nur kurz posten“
geht verloren, dass dieses Bild jemandem gehört.


Mein Umgang damit (oder: der Versuch)

Ich habe irgendwann angefangen, es klar zu formulieren:

Keine Screenshots.
Keine Downloads.
Kein Posten vor dem Kauf.

Funktioniert das immer?
Natürlich nicht.

Menschen lesen Hinweise ungefähr so aufmerksam wie Beipackzettel.
Also… gar nicht.
Ausser es steht „nicht machen“ – dann wird’s interessant.

Aber es hilft zumindest denen,
die es einfach nicht besser wussten.

Und das sind mehr, als man denkt.


Am Ende bleibt eigentlich nur das

Ich nehme solche Situationen inzwischen mit einer Mischung aus
Kopfschütteln, einem kleinen Lächeln
und einem leichten „Das ist jetzt nicht wirklich passiert, oder?“.

Weil es manchmal wirklich fast schon Comedy ist.
So diese Sorte Comedy, bei der man lacht…
und gleichzeitig ein kleines bisschen stirbt.

Denn hinter jedem Bild steht jemand,
der genau das nicht „einfach schnell geknipst“ hat.

Und manchmal ist die Lösung wirklich erstaunlich simpel:

Einfach den Fotografen fragen.

Oder – ganz verrückt –
das Bild kaufen, bevor man es der ganzen Welt zeigt 😉

Aber hey – was weiss ich schon.
Ich drücke ja nur auf den Auslöser 😉

Border Collie im Anflug am Hunderennen
Hunderennen Wattwil – gekauft, ganz ohne Community-Abstimmung 😉

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