Ein Weihnachtswunder im Jura
Im Rahmen der Weihnachtswunder-Aktion – initiiert von Ria Putzker – durfte ich Teil von etwas ganz Besonderem sein: Hundebesitzer*innen in ganz Europa wurden mit einem kostenfreien Hundefotoshooting beschenkt – für Hunde, die alt sind, krank oder einfach ein ganz besonderes Kapitel im Leben ihrer Familie darstellen.
Als auf der Schweizer Karte im Jura eine Appenzeller Sennenhündin namens Kiki erschien, war für mich sofort klar:
Die gehört zu mir.
Unsere Geschichte begann früher
Kennengelernt haben wir uns an einer Hundeausstellung – ich mit Presley im Ring, sie mit Kiki. Zwei Appenzeller, zwei ambitionierte Menschen, die die Rasse über alles lieben.
Uns verbindet mehr als nur diese erste Begegnung.
Es gab eine Zeit, da waren unser Presley und ihre Kiki füreinander gedacht.
Manche Geschichten nehmen jedoch eine andere Richtung.
Und doch bleiben sie Teil von uns.
Umso mehr bedeutete es mir, dass Kiki nun vor meiner Kamera stand – in einem ganz anderen Zusammenhang.
Ein Morgen, der kurz rosa war
Zwischen Weihnachten und Neujahr machte ich mich frühmorgens auf den Weg in den Jura. Man wird bald 50 und merkt: Die Schweiz ist grösser, als man denkt.
Am Étang de la Gruère zeigte sich der Himmel für einen kurzen Moment in diesem perfekten Rosa, das Fotografinnen innerlich in Zeitlupe „Jaaaaa!“ flüstern lässt. Und kaum hatte ich das gedacht, zog leichter Dunst auf und nahm dem Farbspektakel wieder die Bühne.
Also kein Postkarten-Sonnenaufgang.
Kein dramatischer Himmel.
O.k. wir nehmen, was wir bekommen.
Und dann kam Kiki.

Mit ruhigen – nicht mehr ganz so sicheren – Schritten.
Weissgrauer Fang.
Wacher Blick.
Eine gute Woche zuvor war unser Elvis über die Regenbogenbrücke gegangen. Und ja – als ich Kiki ansah, erinnerte mich so vieles an ihn. Diese Schnauze. Dieser Ausdruck. Dieses „Ich habe viel gesehen“-Gesicht.
Vielleicht schaut man anders hin, wenn man gerade selbst Abschied genommen hat.
Aber bevor es zu sentimental wurde, meldete sich Kiki mit einem leicht heiseren, sehr appenzellerischen „Wuff“.
Nicht laut. Nicht dramatisch.
Mehr so: „Ich bin übrigens noch da.“
Und wir mussten lachen.
Mein Fotografen-Ego bekam Pause
Ich wusste, dass Kiki nicht mehr gut hört.
Was ich nicht wusste:
Dass mein gesamtes Repertoire an Pfeifen, Fiepen, Schnalzen und sonstigen kreativen Lauten bei ihr exakt null Wirkung zeigen würde.
Normalerweise reagieren Hunde zumindest irritiert.
Kiki?
Gar nicht.
Sitzen ging auch nur noch so mittel.
Und wenn ihr Frauchen zwei Schritte wegging, folgte sie. Konsequenz einer grossen Liebe.
Also tat ich, was man als Fotografin irgendwann lernt:
Nicht festhalten. Mitgehen.
Meine Lieblingslinse durfte Pause machen, das flexible 70–200 kam drauf. Frauchen blieb nah bei ihr. Wir gingen langsam. Wir machten Pausen.
Wir wollten Kiki kurz am Rand auf dem Holzsteg platzieren. Kaum stand sie dort, war klar: Sie fühlt sich nicht sicher, das ist nicht richtig.
Also liessen wir es.
Kein „nur schnell noch“.
Kein „das wäre aber schön fürs Portfolio“.
Sicherheit und Wohlbefinden sind wichtiger als jedes Bild.
Und genau dann entstehen die ehrlichsten.
Bauernhof-Empfangskomitee
Später fuhren wir zu Kiki nach Hause.
Ich wurde empfangen, wie man es sich von mehreren Appenzellern wünscht – oder eben nicht wünscht, je nach Lautstärke-Toleranzgrenze. Mir kam es vor, als würde ich nach Hause kommen.
Drinnen gab es Kaffee und Aufwärmen. Draussen versuchten wir ein Gruppenbild mit Nelli und ihren zwei Youngsters. Nach kurzer Analyse bin ich ziemlich sicher: Die drei tragen mindestens 40 % Känguru-DNA in sich.
Hüpfen. Lachen. Rennen.
Und mittendrin Kiki, die das Ganze mit seniorischer Gelassenheit betrachtete.
Später kam die zwölfjährige Alaska dazu. Kiki und Alaska: zwei Freundinnen nebeneinander. Ganz selbstverständlich.
Was bleibt
Zuhause sicherte ich über 1000 Bilder.
Und beim Durchsehen wurde mir wieder einmal klar:
Senioren tragen etwas in sich, das man nicht inszenieren kann.
Keine Perfektion.
Kein Showtalent.
Kein „Schau mal hier!“
Sondern Präsenz.
Kiki musste nichts mehr beweisen.
Sie war einfach da.
Und vielleicht war es genau das, was mich in diesen Tagen besonders berührte.
Wir glauben oft, wir hätten noch Zeit.
Für später. Für irgendwann.
Doch dieser Lebensabschnitt kommt nicht zurück.
Warte nicht auf den perfekten Moment.
Er ist längst da.

Dina Untersee – Hundefotografin in der Schweiz
Hundefotoshootings im Jura und in der ganzen Schweiz – mit Ruhe, Geduld und einem Blick für das Wesentliche.
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