Wie man sich beim Fotografen unbeliebt macht – Teil 2:

Filter drüber – und alles kaputt

Oder: Warum man meine Fotos nicht mit Glitzer, Herzchen oder einer „magischen Aura“ bearbeiten sollte (auch wenn’s nur gut gemeint ist).


Neulich kam wieder eine Nachricht.
„Wenn ich die Webversion nehme – darf ich dann einen Filter darüberlegen?“
Ich hätte fast in mein Grafiktablett gebissen.

Aber hey – immerhin hat sie gefragt. Das ist heutzutage schon fast ein Ritterschlag! Die meisten klatschen einfach munter einen pinken Softfilter drüber, packen ein paar Schneeflöckchen ins Bild und nennen es Kunst. Mein Wasserzeichen noch schön sichtbar. Und mein innerer Monk stirbt leise in der Ecke.


Stell dir vor, du kaufst ein Gemälde – und malst mit Filzstift drüber

Wenn du bei mir ein Foto kaufst, bekommst du nicht nur ein Bild. Du bekommst ein sorgfältig ausgewähltes, liebevoll bearbeitetes Stück Handwerk. Kein Massenprodukt, keine KI-Click-and-Go-Nummer, sondern echte Arbeit – mit Auge, Herz und manchmal auch Rückenschmerzen und Muskelkater vom Herumkriechen im Matsch.

Und dann setzt jemand einen Instagramfilter drauf.
Warum?
Weil es mehr strahlt. Oder besser zum Sofa passt.
Ja gut – dann male ich dem Hund beim nächsten Mal auch gleich ein Einhorn auf die Stirn?


Urheberrecht – schon mal gehört?

Auch wenn du ein Bild von mir kaufst (oder geschenkt bekommst), bleibt das Urheberrecht bei mir. Heisst: Du darfst es verwenden – klar!
Aber nicht verändern.
Nicht verschenken.
Nicht weitergeben an Sponsoren, Medien, Fotowettbewerbe oder den Cousin, der gern Collagen bastelt.
Und ganz sicher nicht so bearbeiten, dass ich am Ende aussehe wie jemand, der kitschige Cliparts aus den 90ern feiert.


Und dann war da noch mein Logo – im Schneegestöber

Ich hatte schon alles.
🎄 Weihnachtsfilter mit Glitzerregen
🌈 Farbverläufe, die jede Hautfarbe in ein Alien-Grau verwandeln
📱 Insta-Filter, die den Look ruinieren, aber wenigstens „modern“ wirken sollen

Und mittendrin: Mein Name. Mein Logo.
Danke auch.

Denn plötzlich sieht es aus, als wäre das mein Stil. Als hätte ich das bewusst so rausgegeben.
Ich habe mich in Grund und Boden geschämt – und dann höflich (innerlich schreiend) darum gebeten, das bitte zu entfernen.


Wenn’s mal wirklich nicht passt – redet mit mir

Ich weiss, Geschmäcker sind verschieden. Manchmal passt der Grünton im Bild nicht zur Deko im Wohnzimmer. Oder das Licht wirkt auf dem Bildschirm zu kühl.

Weisst du was? Red mit mir.
Sag mir, was dich stört – vielleicht kann ich’s anpassen. Dezent, professionell, ohne dass der Hund aussieht wie frisch aus dem Zeichentrickfilm.
Kostet je nach Aufwand vielleicht ein bisschen extra – aber das ist besser, als einfach drüberzubügeln.


Was ich mir wünsche (neben Zauberlicht bei jedem Outdoor-Shooting)

Ganz einfach:
Behandelt meine Bilder mit Respekt.
So, wie ich auch euch und eure Vierbeiner respektvoll, aufmerksam und mit Herz fotografiere.

Und bitte – bitte – fragt, bevor ihr euch ans Werk macht.
Denn ein gutes Bild braucht keinen Insta-Filter.
Und ein respektvoller Umgang braucht keine Glitzerschicht.


PS: Danke an alle, die es besser machen

An alle, die meine Fotos so posten, wie ich sie euch übergebe:
Ihr seid der Grund, warum ich das (immer noch) mache.
Ihr seid der Gegenpol zum „Filter drüber – passt schon“-Trend.
Ihr zeigt Wertschätzung.
Ihr hängt mein Bild stolz über euer Sofa – ganz ohne Glitzerrahmen.
❤️ Danke. Für euch knie ich mich gerne weiter in den Matsch.

Professionelle Fotos bitte nicht verschlimmbessern. No Filter. No Kitsch. Danke.

Du möchtest wissen, wie du dich beim Fotografen weiter unbeliebt machen kannst? Dann lese Teil 1:

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